Bau der Untertageverlagerung A7 Deckname: “ZEISIG”

Als Gegenreaktion auf die Eroberung des reichsdeutschen Luftraumes durch die Alliierten 1943 wurde am 1. März 1944 auf Befehl Adolf Hitlers der Jägerstab gegründet. Der von Reichsminister Albert Speer und Generalfeldmarschall Erhard Milch geleitete Jägerstab war ein interministerieller Arbeitsstab, dessen Aufgabe es war, u. a. die Produktionsstätten der Flugzeugindustrie sicher vor feindlichen Luftangriffen unterirdisch zu verlagern, in sogenannte A-Vorhaben. Diese vor Bomben sichere A-Vorhaben wurden in vorhandenen Tunneln, Höhlen und Stollen errichtet.

Als Verbindungsmann für die SS im Jägerstab und Leiter der A- bzw. SS-Sonderbauvorhaben fungierte der Generalleutnant der Waffen-SS Dr.-Ing. Hans Kammler.

Das Geheimprojekt A7 mit dem Decknamen “Zeisig” im Treis-Bruttiger Tunnel bei Cochem an der Mosel war eines von 10 streng geheimen A-Vorhaben, welche ab dem 10. März 1944 begonnen wurden. Um dieses geheime A-Vorhaben zu realisieren, wurde ein gesamtleitender SS-Führungstab, dessen Sitz in der Stadt Kochem war, eingesetzt. Der SS-Führungsstab bestand aus 18 Personen: Als Beispiel wären zivil angestellte Architekten, Ingenieure, Luftwaffeningenieure, technische Offiziere und Mannschaften der Waffen-SS zu nennen.

Die Leitung des Führungsstabes oblag unter anderem:

  • SS-Obersturmführer Meyer von Anfang März bis Ende April 1944
  • SS-Hauptsturmführer Gerrit Oldeboershuis ab Ende April bis Ende der Baumaßnahme
  • SS-Obersturmführer Knaust ab Anfang Juni in Vertretung für Oldeboershuis

Die ausführenden Arbeiten für das A7-Vorhaben übernahmen dienstverpflichtete zivile Firmen verschiedenster Art, welche unter den Namen Bauunion bzw. Organisation Todt zusammengefasst wurden. Aufgrund der nachweislich personellen Unterbesetzung deutscher Arbeitskräfte, aber auch um die Baukosten zu senken und die Bauarbeiten unerbittlich voranzutreiben, wurden bei Baubeginn etwa 400 KZ-Häftlinge, welche der ständigen Brutalität ihrer Bewacher ausgesetzt waren, als billige Arbeitssklaven zur Zwangsarbeit aus dem Konzentrationslager Natzweiler-Struthof an die Mosel nach Kochem deportiert. Von Kochem aus wurden die KZ-Häftlinge durch die SS in provisorische Lager, welche sich in schlecht vorbereiteten Unterkünften lokaler Gasthäuser auf Treiser und Bruttiger Seite befanden, einquartiert. Alle Lagerkommandanten bezogen im damaligen Bruttiger “Gasthaus Hess” Quartier, in welchem auch ein Raum als Schreibstube von der SS angemietet wurde.

Die Kommandoführer des KZ-Außenlagers Kochem-Bruttig-Treis in Reihenfolge:

  • SS-Obersturmführer Rudolf Beer, Anfang März bis 30.04.1944
  • SS-Obersturmführer Walter Scheffe, 01.05.1944 – 15.07.1944
  • SS-Untersturmführer Heinrich Wicker, 01.07.1944 bis zur Evakuierung der Häftlinge

Die Zweckbestimmung der ersten 400 Häftlinge bestand unter anderem darin, binnen 4 Wochen den Ausbau des Tunnels zur Rüstungsfabrik vorzubereiten, aber auch die von Beginn an geplanten größeren Häftlingslager in Bruttig und Treis zu errichten. Vorgesehen war diese Fabrik für die Firma Robert Bosch aus Stuttgart, welche im Innern des Tunnels unter dem Tarnnamen “WIDU GmbH” Zündkerzen speziell für Flugzeugmotoren herstellen sollte.

Am 7. April 1944 wurden 319 der 400 vorgenannten Häftlinge ins Stammlager Natzweiler- Struthof rücküberstellt. Zeitgleich kam ein Transport mit 700 Häftlingen aus dem Konzentrationslager Lublin (Majdanek, Polen) in Kochem an. Diese Gefangenen wurden auf die gerade neu eingerichteten Lager in Bruttig und Treis verteilt und für die eigentlichen Bauarbeiten im und um den Treis-Bruttiger Tunnel eingesetzt. Am 3. Mai 1944 wurde die Anzahl der KZ-Häftlinge des Außenlagers Kochem durch weitere 850 Gefangene des Konzentrationslagers Auschwitz auf 1.578 aufgestockt.

Am 27. Juni 1944 erreichte die Belegschaftsstärke der KZ-Häftlinge einen Höchststand von 1.643.

Ebenfalls begann im Ebernachertal der Barackenbau, welche für die männlichen WIDU- Gefolgschafter als Unterkünfte dienen sollten. Für den Bau wurden etwa 80-100 Häftlinge eingesetzt. Zu diesem Zweck wurden Teilbereiche der Ebernacher Wohngebäude, aber auch dem Kloster zugehörige Grundstücke von der SS beschlagnahmt.

Deportation von 1.081 KZ-Häftlingen

Ab Mitte September wurde der Großteil der KZ-Häftlinge (1.081) aus dem Außenlager Kochem-Bruttig- Treis abgezogen und auf die Konzentrationslager Buchenwald und den KZ-Komplex Mittelbau-Dora und weitere Unterlager verteilt.

Schließung des Außenlagers Kochem-Bruttig-Treis und Ende der Baumaßnahme A7-Zeisig

Da die Bauarbeiten der Untertage-Verlagerung A7-Zeisig in Treis-Bruttig noch nicht abgeschlossen waren und der SS-Führungsstab nebst dem Kommandoführer des Außenlagers Kochem nachweislich bis Ende Oktober 1944 in Kochem tätig waren, muss davon ausgegangen werden das noch weitere KZ Häftlinge vor Ort waren um die Bauarbeiten weitestgehend zum Abschluß zu bringen. Der Baufortschritt ist durch Luftaufnahmen der Alliierten, welche zwischen September 1944, November 1944 und September 1945 aufgenommen wurden, deutlich zu erkennen.


Nach oben